Speicher als Schlüsselelement für die Energiewende – Abschätzung des Mehrwerts für Deutschland

Immer häufiger sinken die Strompreise deutlich, wenn der Wind kräftig weht oder die Sonne scheint – mit über 457 Stunden negativer Strompreise im Jahr 2024 ist die Botschaft klar: Die Energiewende schreitet voran. Doch ohne ausreichende Speicherkapazitäten droht der Erfolg zur Belastung zu werden. Speicher könnten hier zum Schlüssel werden.

Über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert die Bundesregierung den Ausbau von Windkraft und Photovoltaikanlagen intensiv. Der Effekt ist spürbar: Immer häufiger sinken die Strompreise deutlich, wenn der Wind kräftig weht oder die Sonne scheint. Im Jahr 2024 gab es bereits über 457 Stunden mit negativen Strompreisen – ein starkes Signal für die Marktentwicklung und ein klarer Hinweis, dass die Transformation der Energielandschaft Fahrt aufnimmt.

Doch mit der verstärkten Einspeisung erneuerbarer Energien ergibt sich eine weitere Herausforderung: Immer häufiger wird überschüssiger Strom abgeregelt, wenn die Netze voll sind und keine Speichermöglichkeiten bereitstehen. Die Folge: steigende Systemkosten und ineffiziente Nutzung geförderter Anlagen. Hier könnten Speichersysteme einen Mehrwert bieten. Die Entwicklung von Speicherprojekten nimmt immer mehr an Fahrt auf, alleine bei den Übertragungsnetzbetreibern sind über 220 GW an Netzanschlussanfragen eingegangen. Das zeigt: Die Rahmenbedingungen für Investoren sind attraktiv. Wenn die neue Regierung jetzt an den richtigen Stellschrauben dreht und keine regulatorischen Hürden aufbaut, kann dies erhebliche Vorteile für Stromerzeuger und Verbraucher in Deutschland haben.

Im folgenden Artikel versuche ich den Mehrwert verschiedener Aspekte des Speicherausbaus aus volkswirtschaftlicher Sicht abzuschätzen.

Einfluss auf das EEG-Konto

Die wachsende Einspeisung erneuerbarer Energien hat zwei unmittelbare Effekte: Zum einen sinken die Marktpreise, wenn viel eingespeist wird, zum anderen muss bei hoher Verfügbarkeit immer mehr Strom abgeregelt werden. Das belastet das EEG-Konto und schmälert die Effektivität der Förderung. Speicher schaffen Abhilfe, indem sie den erneuerbaren Strom aufnehmen, statt ihn abregeln zu müssen.

Eine Studie des Analysehauses geec im Auftrag des Speicherentwicklers ECO STOR schätzt den möglichen Effekt auf das EEG-Konto durch Speichereinsatz auf bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr. Dies verbessert nicht nur die Wirtschaftlichkeit der EEG-Förderung, sondern erhöht auch die Effizienz des Systems insgesamt.

In der Studie wurden verschiedene Ausbauszenarien für Speicher betrachtet (10 GW gemäß Netzentwicklungsplan und 100 GW im Szenario des Fraunhofer-Instituts bis 2030). Für das Jahr 2030 liegt der Wert eines Speicherprojekts für das EEG-Konto damit zwischen 10.000 €/MW und 40.000 €/MW installierter Leistung pro Jahr. In den Jahren davor dürfte der Effekt aufgrund höherer Abregelungen sogar noch größer sein.

Einfluss auf Redispatch-Maßnahmen

Auch auf Netzebene können Speicher helfen, volkswirtschaftliche Kosten zu senken. Um die Speicher möglichst sinnvoll zu platzieren, könnte der Staat bei der Standortwahl gezielt auf Regionen mit hohen Redispatch-Kosten achten. Beispielsweise könnten die Speicher strategisch im Norden installiert werden, um abgeregelten EE-Strom zwischenzuspeichern.

In 2023 wurden ca. 10 TWh an EE-Strom abgeregelt, davon etwa 5 TWh aus Offshore-Wind Anlagen – das entspricht etwa 20–25 % der gesamten Offshore-Windproduktion. Im Schnitt erhielten alle abgeregelten EE-Anlagen eine Entschädigung von etwa 60 €/MWh.

Würde man mit einem Speicher im Norden zu 20–30 % der Zeit Strom aus abgeregelten Offshore-Windparks aufnehmen, könnte man die jährlichen Redispatch-Kosten um etwa 17.000 – 26.000 €/MW installierter Speicherleistung verringern.

Volkswirtschaftlicher Effekt für Stromverbraucher

Neben Einsparungen beim Redispatch und der Einspeisevergütung beeinflussen Speicher durch ihre Handelsaktivitäten auch die Strompreise für Verbraucher. Eine Studie von Frontier Economics schätzt, dass Speicher den Großhandelspreis zwischen 2030 und 2050 im Schnitt um 1 €/MWh senken werden. Umgerechnet auf die installierte Leistung ergibt sich ein volkswirtschaftlicher Effekt von 10.000 – 42.000 €/MW und Jahr.

Ich erwarte zusätzlich eine Reduktion der Kosten für die Vorhaltung von Regelenergie. Diese werden über die Netzentgelte direkt an die Verbraucher weitergegeben und beeinflussen daher die gesamte Volkswirtschaft. In den Jahren 2021 bis 2023 lagen die Vorhaltungskosten im Schnitt bei rund 600 Mio. € pro Jahr.

Sollte der Speicherausbau diese Kosten um 25–50 % senken können, ergäbe sich eine jährliche Einsparung von 150–300 Mio. € – entsprechend einem Effekt von 15.000–30.000 €/MW bei 10 GW installierter Leistung in 2030.

Zusammenfassung und Fazit

In Summe ergibt sich für den Staat durch privatwirtschaftliche Investitionen in Speicher ein Mehrwert von 52.000 € bis 138.000 € pro installiertem MW und Jahr – je nachdem, welche Annahmen man trifft. Wenn bis 2030 rund 10 GW an Speicherleistung aufgebaut werden, beläuft sich der volkswirtschaftliche Mehrwert über die Lebensdauer der Anlagen auf insgesamt 5 bis 20 Milliarden Euro.

Die aktuellen Rahmenbedingungen machen Deutschland bereits heute zu einem attraktiven Markt – ganz ohne direkte Speicher-Subventionen. Wenn die neue Regierung es nun schafft, durch klare Regeln, zügige Genehmigungsverfahren und netzdienliche Preissignale ein stabiles Investitionsumfeld zu schaffen, könnte der Speicherausbau nicht nur zum zentralen Baustein der Energiewende werden – sondern auch zu einem der profitabelsten.

Vielen Dank an Robert Schulz von FBS und Philipp Hesel von Aurora für das Feedback zum Artikel!

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