Netzstabilität und COVID-19: Bisher alles unter Kontrolle

In den letzten Wochen habe ich, wie wahrscheinlich viele Leser hier, die Berichterstattung um die Corona-Krise aufmerksam verfolgt. Das Virus hat das öffentliche Leben lahmgelegt und auch die wirtschaftlichen Aktivitäten wurden merklich zurückgefahren. Das lässt sich bereits an den aktuellen Zahlen zum Stromverbrauch und den Erwartungen an den zukünftigen Strombedarf ablesen.

Ich habe mich daher gefragt, ob sich die aktuelle Krise auch auf die Netzstabilität auswirkt und ob wir uns nicht nur um die Versorgung mit Klopapier 😉 , sondern auch um die Versorgung mit Strom machen müssen. Um das zu überprüfen habe ich mir zuerst die Verteilung der Viertelstunden-Regelzonensaldi (RZS) im deutschen Netzregelverbund (NRV) angeschaut. Die folgende Grafik vergleicht die Häufigkeitsverteilung der RZS im Zeitraum von Februar 2019 bis Februar 2020 mit dem Zeitraum vom März und April 2020.

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass beide Häufigkeitsverteilungen sehr nahe beieinander liegen. Diese Beobachtung legt die Aussage nahe, dass sich durch das Corona-Virus wenig an der Netzstabilität verändert hat. Beim genaueren hinsehen fällt auf, dass die Verteilung aus der „Corona“-Zeit eine leichte Linksverschiebung zur Zeit davor besitzt. Das könnte darauf hindeuten, dass in dieser Zeit vergleichsweise eher zu viel Strom ins Netz eingespeist wurde als zu wenig. Das überrascht aufgrund der gesunkenen Strompreise nicht besonders – die Kraftwerksbetreiber machen bei niedrigeren Deckungsbeiträgen weniger Verluste, wenn sie zu viel Strom einspeisen. Der höhere Anteil an RE-Einspeisung wird ebenfalls zu diesem Phänomen beitragen.

Meine zweite Auswertung zeigt die durchschnittlichen wöchentlichen positiven und negativen Abrufmengen des RZS im Zeitverlauf. Auch hier zeigt sich im März keine signifikante Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Die durch das Mischpreisverfahren hervorgerufenen Ungleichgewichte im Sommer 2019 sind hier deutlich auffälliger.

Fazit: Die Netzstabilität ist gesichert

Es ist beruhigend, dass die Marktakteure die aktuelle Lage so gut im Griff haben. Dies ist in Anbetracht der geänderten Lastsituation durch das Corona-Virus eine der wenigen positiven Überraschungen in der Krise.

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