Paradox: Rückgang der SRL-Abrufmengen trotz EE-Ausbau

Rückgang der SRL-Abrufmengen

Bei Betrachtung der SRL-Abrufmengen der letzten Jahre wird deutlich, dass sich die benötigte Sekundärregelleistung effektiv halbiert hat. Die Grafik zeigt, dass die Abrufmengen der positive SRL zwischen 2012 und 2017 um ca. 40% zurückgegangen ist. Der Abruf von negativer Sekundärregelleistung hat sich im gleichen Zeitraum sogar um über 60% verringert.

Rückgang der positiven und negativen Sekundärregelleistungs-Abrufmengen
Rückgang der positiven und negativen SRL-Abrufmengen

Steigender Anteil von erneuerbaren Energien

Dies ist überraschend, wenn man den Ausbau von erneuerbaren Energien betrachtet. Zwischen 2012 und 2017 ist der Anteil von erneuerbaren Energien von 26% auf knapp 40% gestiegen. Aufgrund des stochastischen Einspeiseverhaltens hätte die Nutzung der Sekundärregelleistung theoretisch zunehmen müssen.

Einführung des Internationalen Netzregelverbundes IGCC

Eine Erklärung für den Rückgang der SRL-Abrufe könnte die Einführung des Austauschs von Energiemengen im Rahmen der International Grid Control Cooperation (IGCC) sein. Im Rahmen dieser Kooperation zwischen Deutschland, Dänemark, Niederlande, Schweiz, Tschechien, Belgien und Österreich werden freie Übertragungskapazitäten zwischen den einzelnen Ländern seit 2012 genutzt um Ungleichgewichte ohne den Einsatz von Sekundärregelleistung auszugleichen. Das Verhältnis zwischen SRL-Abrufen und IGCC Importen und Exporten ist in den folgenden Grafiken dargestellt:

Verhältnis aus positiven SRL-Abrufmengen und IGCC-Importen
Verhältnis aus positiven SRL-Abrufmengen und IGCC-Importen
Verhältnis aus negativen SRL-Abrufmengen und IGCC-Exporten
Verhältnis aus negativen SRL-Abrufmengen und IGCC-Exporten

An den Grafiken zeigt sich, dass der Bedarf an positiver Ausregelung unter Berücksichtigung der IGCC-Mengen relativ konstant geblieben sind. Alleine der Anteil des internationalen Ausgleichs hat zugenommen. Im Gegensatz dazu ist der Bedarf an negativer Ausregelung deutlich zurückgegangen.

Das Ergebnis könnte dadurch erklärt werden, dass durch den EE-Ausbau seltener zu viel Energie eingespeist wird. Dies ist zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, da PV- und Windanlagen in ihrer Leistung nach oben begrenzt sind. Auf der anderen Seite kann die Leistung der Anlagen z.B. durch Wolken oder zu stark eingeschätzte Windvorhersagen leicht zu gering ausfallen. Dies ist jedoch in der Entwicklung der absoluten positiven Regelenergiemengen nicht zu erkennen. Der stochastische Effekt, der durch die Verteilung auftritt, scheint also groß genug zu sein.

Fazit: Der Ausbau von EE-Anlagen hatte in den letzten Jahren keine negativen Auswirkungen auf den Regelenergiebedarf gehabt. Auf Basis der vorliegenden Daten ist auch keine Umkehr des Trends zu erkennen.

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